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| Arts by Sialyxz |
Ein Verlag bot dieser Dame einen monströsen Betrag, wenn sie zukünftig ihre Bücher über ihn erscheinen ließe. Sie hat dankend abgelehnt.
Wow!, werden jetzt viele deutsche Autoren sagen. Ich suche seit ewigen Zeiten einen guten Verlag. Wie kann das sein?
Die Dame hat Self-Publishing als das erkannt, was es ist: Eine Möglichkeit richtig viel Geld zu verdienen. Und sie hat die Regeln dieses Marktes erkannt. Eine der wichtigsten Regeln ist es, ununterbrochen gegen die Flut der Neuerscheinungen anzukämpfen, was heißt, dass man am besten ständig Bücher herausbringt.
Die Dame, die übrigens im Liebesroman-Genre schreibt, nahm sich klugerweise zwei Assistentinnen. Mit ihnen produziert sie Bücher am laufenden Band. Pro Buch 20000 Worte. Die Werke erscheinen alle 2,5 Wochen, also zirka 20 Bücher pro Jahr. Auf diese Art bleibt sie immer im Gespräch und hat min. ein Buch in der Top 100. Jede Neuerscheinung zieht wieder Griffe auf ihre bereits vorhandenen Bücher nach sich.
Ich zähle Liebesromane, Krimis & Co jetzt mal zur Unterhaltungsbranche. Der Hunger der Masse ist groß. Sie braucht neues Futter. Und sie stürzt sich zunächst kritiklos auf alles, was Unterhaltung verspricht. Ich sage bewusst "zunächst", denn letztendlich setzen sich nur die guten Stories, die professionell umgesetzt sind, dauerhaft durch. Aber auch sie verschwinden, beiseite gedrückt von der neuen Flut, können sie sich nur noch knapp im Mittelfeld halten.
Die Erfahrung zeigt: Der Autor schreibt, verbessert sich, gewinnt eine Fanbase. Zu dieser hält er zwischen seinen Neuveröffentlichungen mit Gewinnspielen, Werbemaßnahmen, via Mailinglisten und sonstigen Strategien Kontakt. Sein Buch ist fertig. Er kündigt es an und man reißt es ihm aus den Händen. Das Buch spielt, wenn alles gut geht, seine Kosten ein - vielleicht auch mehr. Der Autor freut sich. Und sieht danach hilflos zu wie sein Buch tiefer geschoben wird.
Verzweifelt versucht er die Kategorie zu wechseln, Preisaktionen werden gemacht, in Leserunden Bücher verschenkt, aber die Regel des Marktes besagt, dass neu nachgeschoben wird und bereits Gelesenes verdrängt.
Ich sehe inzwischen die Tendenz der verzweifelten Autoren, die nicht mehr nur Bücher verschenken, sondern auch teure Reader. Es ist nur noch ein kleiner Sprung, bis Reisen und andere hochwertige Dinge die Fans bei der Stange halten sollen. Das, was der Autor bei seiner Neuveröffentlichung verdient hat, geht durch diese Werbemaßnahmen drauf. Was solls, sagt er sich, ich baue an meinem Namen und an meinem Image. Das ist ein Ding, das auf Jahre ausgelegt wird. Aber ist das wirklich so?
Ich kann keine Lösung für dieses Problem bieten, außer dem Rat möglichst viele gute Bücher zu schreiben, so wie Hohlbein und Co es uns vormachen. Aber irgendwann stellt sich die Frage: Lohnt sich all die Arbeit wirklich? Strample ich nicht mit meinem winzigen Paddelboot Zeit und Geld verschwendend in einem unendlichen Meer?
Vielleicht sollten wir wieder zum Ursprung zurückzukehren, um trotz all dem unsere Zufriedenheit zu bewahren. Was war am Anfang? Wir schrieben, weil wir eine Geschichte im Kopf hatten, die wir loswerden wollten. Weil sie uns gefiel. Weil wir in ihr eigene Dinge verarbeiten konnten. Ursprünglich schrieb ein jeder wohl erst einmal für sich selbst.
Das sollten wir uns ins Bewusstsein rufen. Wir schreiben, weil es uns Freude macht. Der Markt wird immer so bleiben, ob wir stündlich auf die Charts starren oder nicht. Damit vertändeln wir nur wertvolle Schreibzeit.
Genug geredet, lasst uns weiter Geschichten erzählen.
Eure Pat


















