Alltagstaugliche Tipps und Bücher, Bücher, Bücher

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Samstag, 7. Dezember 2013

Platzhalter? Was ist das? (Self-Publisher Satire)




Wie wird die Self-Publisherin Mandy ihr Problem lösen?Lies es JETZT!



Hallo Leute!
Seit ich diese schwulen Rammelbücher schreibe, bin ich echt im Dauerstress.
Um so mehr genieße ich die gemütlichen Stunden ein Mal wöchentlich bei Chantal im Nagelstudio. Da können wir in Ruhe Schlachtpläne aushecken. Gelegentlich gibt dann auch mal eine der wartenden Kundinnen wertvolle Kommentare.
Heute morgen war wieder so ein inspirierendes Treffen. Chantal hatte mir die Nägel gemacht und zwei von den rosafarbenen, naturgetreuen Penis-Kerzen angezündet, weil ja am Sonntag zweiter Advent ist. Also saßen wir nach getaner Arbeit (jetzt zieren rosa Schleifchen auf den Nägeln) mit zwei anderen Kundinnen bei einem Prosecco.
»Mädels! Ich hab ein Problem.« Meine elitären Zuhörerinnen waren genau das richtige Publikum, um das mal anzusprechen. »Ich habe ja inzwischen 178 Bücher a 16 Seiten zu 1,58 Euro auf dem Markt. Sie gehen weg wie warme Semmeln.« 
Das war wohl etwas übertrieben, aber da mir die Damen an den Lippen hingen, konnte ich ein bisschen dicker auftragen. »Mein Problem: Mir fällt nix mehr ein. Beim Gay- und Hetero-Kram, habe ich schon sämtliche Stellungen durch, sogar an den dollsten Orten.« Ja, jetzt musste ich doch raus damit... »Ich hab Leerlauf. Keine Ideen. Boah, Mädels, ich hab Ödness in der Birne. Das ist nur ne Phase, bestimmt und die hört auch wieder auf, aber ich ...« Schnaufend unterbrach ich mich und blickte in die Runde. An den nachdenklichen Gesichtern war klar zu erkennen, dass ich den richtigen Denkprozess in Gang gesetzt hatte.

Chantal erwachte zuerst zum Leben. Sie hob den Arm und schleuderte ihn in der Luft herum, wie in der Schule nach der Devise Herr Lehrer, Herr Lehrer! Ich weiß was!
Klar, dass ich Schülerin Chantal als Erste dran nahm.
»Ja, Chantal?«
»Ich hab letztens einen Porno mit Herbert gucken müssen. Er meinte, das wäre lehrreich für mich. Also, da hat ein Typ in einer vollen Badewanne gelegen, der hatte einen Schwimmring unterm Arsch. Der war auch noch rosa mit lauter Entchen drauf ‘kicher’. Und seine Tussi, in weißen Bademeister-Klamotten ... aber richtig sexy – mit Titten halb raus und so – hatte ne Trillerpfeife im Mund und hat immer gepfiffen. Und jedes Mal hat der Schwanz sich bewegt wie so ein Wurm. Und dann hat sie die Pfeife weggelegt und hat dem ein Kondom über gezogen mit DRLG Flagge drauf. Und danach hat sie ...«
An diese Stelle musste ich sie unterbrechen.
»Chantal, meinste Schwule machen so was auch? Schwanz-Rettungsspielchen?«
Die ganze Gemeinde schüttelte einstimmig den Kopf. 
Stille.
»Und wie wäre es, wenn ich bei anderen Autoren einfach die Ideen klaue?«, überlegte ich laut. 
Ein Strahlen erschien auf den vom Überlegen hochroten Gesichtern. »Ich kenne da einen, das ist sogar ein echter Mann, und der ist auch noch schwul. Der Jochen Piesack. Sein Pseudonym ist Karl Piesack. Der schreibt so einen gefühlvollen Gay Romance Heulkram mit langweiligem Getue über 500 Seiten - fickt er ihn oder fickt er ihn nicht? Zum Gähnen. Trotzdem könnte ich einige Stellen kopieren und zwischen den ganzen Kitsch setze ich dann ein paar meiner alten, saftigen Sex-Szenen. Das merken die Leser eh nicht. Und wenn jemand den Klau bemerkt, sage ich einfach, das wären Platzhalter und da käme noch mein eigener Text hin. Was meint ihr?«
Chantal legte den Kopf schief, um volle Gehirn-Kapazität zu erhalten. Nach fünf Minuten knisternder, erwartungsvoller Ruhe runzelte sie bedrohlich die Stirn: »Ein schwuler Mann, der Gay Romance Bücher veröffentlicht? Meinste der hat überhaupt Ahnung von dem, was er da schreibt?«
DAS hat selbst mir die Sprache verschlagen!


Eure Mandy


©Pat McCraw2013

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