Alltagstaugliche Tipps und Bücher, Bücher, Bücher

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Samstag, 16. November 2013

Self-Publisher? Kein Problem! (Eine kleine Satire)

Arbeitslos? Hartz4? Oder einfach zu viel Zeit?
Wer sagt, dass das heutzutage noch ein Problem ist?
Es gibt doch Amazons Möglichkeiten für Self-Publisher!
Hatte ich nicht bereits damals, als die Lehrerin in der dritten Klasse uns als Aufsatzthema gab: "Schreibe ein besonders aufregendes Erlebnis!", nicht schon die dollsten Einfälle?
Moment, Mist, Abenteuer bietet mein Leben echt wenig. Was mache ich jetzt?...
Ich habe die beste Idee aller Zeiten: Ich schreibe darüber, wie mein Mann mich letzte Nacht durchgenommen hat. Sex sells, Leute!
Ich stelle mir jetzt einfach vor, wie der das gemacht hat. Na okay, das hat nur fünf Minuten gedauert, aber ich dichte mir noch dazu, was ich währenddessen gedacht habe. Macht ja jeder.

Wie fange ich an? 

Marion zog ihren schärfsten Spitzen-BH an, denn sie wusste das Robert darauf stehen würde, wenn er von Arbeit kam. Hört sich doch gut an, oder?
Nur irgendwie gibt es das wahrscheinlich schon als Buch. Genau, bei Shades of Grey. Ich muss mal nachdenken. Verflixt, das strengt an..... Wahnsinn! Jetzt habe ich die zündende Idee! Ich bin heute mal total versaut! Ich stelle mir vor, ich wäre ein Mann. Solchen Schwulenkram gibt’s ja noch nicht so oft. Okay, ich ändere den Satz: Marcel zog seinen geilen Designerslip an... 
Oh Gott, hab ich nicht letztens sogar Unterhosen gesehen, in denen die Kerle den Arsch ganz nackt haben? Wie heißen die noch mal? Jock Slips, genau. Leute, ich bin schlichtweg genial. Das wird jeden vom Hocker reißen: Marcel zog sich hinten den Jock-Slip über den Hintern hoch weil er Robert ja richtig geil machen wollte wenn der von Arbeit kam.
Müssen da eigentlich Kommas rein? Ach, egal, die meisten Leser wissen eh nicht, wo die hin gehören. Also weiter ...


5000 Wörter in drei Tagen! Juhu! Jetzt noch 1000, und ich kann den Kram als eBook veröffentlichen. Was nehme ich denn für die 36 Seiten? Na ja, wollen wir mal nicht unverschämt sein. Die Menge wird’s machen. Ich schreib mal 1,50 Euro rein. Mist, wie rechnet man nur die blöden Prozente aus? Egal, dann sind’s eben 1,48. Ungerade Preise verkaufen sich sowieso besser.

Seltsam, ich habe das Gefühl, da sind jetzt doch ein paar Schreibfehler drin. Oder warum macht Open Office das da so bunt? Ich glaub, ich werde mal die Mary bei Facebook fragen. Die hält mich für so eine Spitzenautorin. Echt, die glaubt ganz fest an mich. Die soll das mal lesen und korrigieren. Und wenn sie ein paar Fehler findet, nenne ich sie als »Korrektorat« in meinem Werk. Ja, so bin ich.

Während sie das liest, schreib ich schon mal die Fortsetzung. Brauche ich ja nur drei Tage für. Und hoppla, wieder ein Buch auf dem Markt. Ich guck mal in meinen Amazon Account. Jetzt habe ich vierzehn Bücher geschrieben und veröffentlicht. Wahnsinn! 63,41 Euro verdient. Na, klappt doch. 

Ich sollte die als Taschenbuch einstellen. Geht ja auch. Hmm, sind zu wenig Seiten. Ach egal, ich mach eine – wie hieß das noch mal? – Anthologie draus. Hört sich geil an das Wort. Jetzt denken alle bestimmt, ich hätt’s drauf. 

Irgendwie sieht das Taschenbuch komisch aus. Die Abstände stimmen nicht und mein selbstgemachtes Cover ist schräg. Buchsatz? Was? Son Scheiß soll ich jetzt auch noch lernen? Hurenkinder? Wer hat denn so ein Wort erfunden? Die können mich alle mal. Wenn die das Buch gekauft haben, lesen sie es bestimmt. Und fertig. Hauptsache, mein genialer Text, mein Herzblut, das ich mir in den letzten Tagen rausgequetscht hab, wird gewürdigt. Ich werde mal meine Freunde mobilisieren, die schreiben mir Rezensionen. Und wenn ich nicht genügend Leute finde, dann mache ich mir ein paar Fake-Accounts und schreib sie mir selber. Die digitale Welt macht’s möglich. Ist das nicht genial?


Vor einiger Zeit hab ich gehört, dass es Menschen gibt, die jahrelang an 200 Seiten herumpinnen. Und dann geben sie den Kram auch noch an so einen teuren Lektor und bezahlen richtig Asche dafür. Wie blöd muss man sein?

Schweinkram schreiben kann doch jeder, oder? Ich bin der lebendige Beweis. :)

Eure Mandy


©Pat McCraw2013


Kommentare:

R.D.V.Heldt hat gesagt…

Ja Pat, du hast ja sooo Recht mit dem, was du da schreibst.
Leider kommt immer mehr Müll auf die Seiten von Amazon und anderen Plattformen.
Viele glauben, die Menge macht es aus, ein guter Schriftsteller zu sein.
Tiefgang und sauberes Schreiben wird anscheinend immer unwichtiger(leider).
Ich danke dir sehr für diesen Beitrag.
LG JO ♥

Marie H. Berger hat gesagt…

Du sprichst mir aus der Seele Pat. Danke dafür