Duocarns - Fantasy Buchserie

Duocarns - Fantasy Buchserie
Duocarns

Dienstag, 6. Oktober 2015

Am Sonntag, 11.10. kostenlos: Heiterer Liebesroman von Pat McCraw


»Bumm, bumm, bumm.« Wie nervtötend! Ich zerrte mein völlig aus der Form geratenes Kopfkissen zurecht und ließ den Kopf wieder hineinsinken. Das Klopfen ging weiter. »Harry! Hör endlich auf, du blödes Viech!«
Warum müssen Hunde sich immer so kratzen, dass sie währenddessen dichtgedrängt an Türen sitzen und mit ihren Läufen dabei gegen das Holz hämmern? Zweite Weck-Variante ist laut brüllendes Kläffen und Hinausstürzen durch die schmetternde Hundeklappe, um dem Briefträger Stärke zu beweisen.
 Gähnend drehte ich mich auf den Rücken und reckte die Arme in die Höhe. Knack. Der Halswirbel war schon mal drin. Gab es noch eine Art das mies gelaunte Frauchen aus dem wohlverdienten Schlummer zu reißen? Ach ja, an der Tür kratzen und fiepen, was eigentlich strengstens untersagt war. Die Türen meines gesamten Domizils sahen bereits aus, als wären Zombies nachts auf den Bäuchen durchs Haus gerutscht, die Türblätter bis zur Kniehöhe mit Krallenhänden marternd, unfähig an die Klinken zu reichen.
Na ja, ich drehte den Kopf zu der intensiv grün schimmernden Weckanzeige an der Zimmerdecke. Mein neu erworbener Funkwecker mit Deckenlicht zeigte 07.15 Uhr. Definitiv die richtige Zeit aufzustehen. Der Hund war wieder einmal schlauer als ich. Marilyn und Monroe, sowie Lana und Turner, meine vier Milchziegen, wurden ab sieben Uhr ungenießbar und wollten gemolken werden. Ich blinzelte zum Fenster und versuchte die Wetterlage durch die seit einiger Zeit vom Putzlappen verschonten Fensterscheiben zu erspähen. Die knackgrünen, sonnenbeschienenen Blätter der vor meinem Schlafzimmerfenster siedelnden Birke winkten mir freundlich zu. Es sprach also nichts dagegen, die Ziegen auf die Wiese zu lassen, denn der Junitag versprach warm zu werden.
Während ich mich ausgiebig dehnte und streckte, entfleuchte ein kleiner, unscheinbarer Pups unter der Bettdecke. Egal. Das waren die Vorteile des Single-Daseins. Kein Hechten aus dem Bett um sich vor dem ersten Kuss schnell die Zähne zu putzen. Keine empörten Blicke wegen eines bisschen unschuldigen Windes. Na okay, ich schnupperte, so ganz harmlos war der doch nicht. Jetzt aber los!
Halt! Wie immer drang mir die strenge Stimme meiner Physiotherapeutin ins Gedächtnis: »Im Bett auf die Seite drehen, rausrollen und dann erst hoch!« Sie hatte ja recht. Ich sollte meine Knochen schonen, die ich täglich über Gebühr durch meine Arbeit auf meinem kleinen Bauernhof strapazierte.
Ich öffnete die Schlafzimmertür. »Hey, Keule!« Harry sah mit begeistert glänzenden Augen zu mir auf und wedelte, was das Zeug hielt. Bumm, bumm, bumm, Schwanzwedeln gegen den Schuhschrank. Warum hatte ich mir nur so einen Riesenköter zugelegt? 
»Du stinkst, Kerl!« Ich tappte die Treppe hinunter ins Bad, von ihm verfolgt, setzte mich aufs Klo und betrachtete ihn. Er war so winzig gewesen, als ich ihn das erste Mal sah. Man sagt ja, dass man die endgültige Größe eines Hundes bereits an den Welpenpfoten erkennt. Haben sie dicke Tatzen, werden sie riesig. Welpe Harry war ein übler Blender, mit zierlichen Tapspfötchen und einem unwiderstehlichen Charme. »Der bleibt klein!«, hatte der Hippie aus dem Wohnwagendorf geschworen. Ja klar. Als Endresultat war mein ständiger Begleiter ein struppiges, graues Riesenvieh mit den treusten braunen Augen der Welt. Er war ein bisschen doof, aber wie sagt man so schön: »Man muss nicht besonders helle sein, um als guter Kumpel zu taugen.« Genau dieser Satz trifft auf Harry zu, dachte ich, erhob mich vom Lokus und zog an der veralteten Strippe der Wasserspülung.
Ich mochte alte Dinge und mein Hof war knallvoll damit. Auch wenn diverse Sachen nicht unbedingt dem neusten Stand der Technik entsprachen, wie zum Beispiel der leicht blinde Spiegel mit den aufgeklebten Schlümpfen über dem Waschbecken.
Viel Tolles zu sehen gab es da sowieso nicht: Butch, fünfundzwanzig Jahre alt, kurzgeschorene, dunkle Locken, Allerweltsgesicht mit Schmollmund, braune Augen unter ungezupften Augenbrauen. Ich runzelte sie. Finster. Das kam gut. Aber hatte ich nicht mal gehört, dass man sich morgens am besten positiv motiviert, wenn man sich im Spiegel anlächelt? Und sei das Lächeln noch so falsch – es würde auch schon helfen den Mund zu verziehen. Das sah saublöd aus. Jetzt musste ich doch lachen.


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