Duocarns - Fantasy Buchserie

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Duocarns

Samstag, 3. November 2012

Buchvorstellung: Die Frau in Stöckeln v. Claudia Martinii

DUOCARNS Buchempfehlung:





Die Frau in Stöckeln – Ein (alb-)traumhaftes Reisebuch



Marie ist jung, erfolgreich und chic – für die Frau in Stöckeln könnte alles so einfach sein, wenn da nicht ihr reiselustiger Globetrotter-Freund wäre. Und so findet sie sich eines Tages völlig verzweifelt an seinem Krankenbett im Oman wieder, während sie händeringend versucht, sein Bein vor der Amputation zu retten.

Um nicht Amok zu laufen, beschließt sie, ein Reisebuch zu schreiben, in dem sie ihre irrwitzigen gemeinsamen Erlebnisse Revue passieren lässt. Was als Liebesabenteuer beginnt, gerät zum Kampf zwischen Mann und Frau, zwischen Flipflop und Stöckelschuh, zwischen Rucksack und Handtasche ... Tapfer versucht sie unterdessen, ihren durchgeknallten Freund Philipp als Ganzes nach Hause zu bringen. Doch gerade, als der Kampf gegen Entzündungen, Thrombosen und Ärzte gewonnen zu sein scheint, passiert das Unfassbare.
 
 
Leseprobe:
Einigermaßen erholt, verbrachten wir den nächsten und für mich letzten Tag am Strand. Ich schnorchelte, Philipp tauchte. Weitab vom Tourismus und den Kakerlaken genossen wir die letzten gemeinsamen Stunden in der Sonne und am Meer. Ich zog für mich schon ein positives Resümee. Wenn ich diesen Urlaub überstanden hatte, dann konnte ich auch weitere überleben. So schlimm war es gar nicht, per Rucksack durchs Land zu ziehen. Ich hatte viel gesehen, so viel mehr erfahren als je zuvor in meinem Leben. Ich war hier mit Philipp und war trotz aller Widrigkeiten glücklich. Er auch? Ich empfand unsere Unterschiedlichkeit plötzlich als so bereichernd, dass ich mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen konnte. Ich lag in seinen Armen, während die Sonne unterging und dachte an die neue Handtasche, die ich in einem Modemagazin gesehen hatte. Ich nahm mir vor, sie mir trotz des hohen Preises sofort nach meiner Rückkehr als Belohnung zu gönnen. In meiner letzten Nacht auf der Terrasse lag ich lange wach. Neben mir schnarchten zwei echte Kerle: Philipp und ein Hund mit drei Beinen.
Nachdem ich morgens versucht hatte, alle noch lebenden Kakerlaken aus meinem Rucksack zu schlagen, packte ich meine Sachen und mein Blick fiel auf etwas, das ich in den letzten drei Wochen vermisst hatte: meine Prada-Handtasche! Hatte ich sie doch mitgenommen? Sie musste in meinem Fünfhundert-Liter-Rucksack ganz nach unten gerutscht sein, um Philipps kontrollierenden Händen zu entwischen und mit uns die große weite Reise über den Teich zu machen. Welch eine Treue!
„Juhu, komm her, du geiles Stück. Oh Gott, was habe ich dich vermisst!“, jauchzte ich und presste die Tasche fest an mich. Ich wollte sie jetzt und hier. „Egal, ich kann dich auch mit einem Rucksack auf dem Rücken tragen!“ Ich zog die schlammigen Wandersandalen an, schwang den Rucksack auf den Rücken und legte die Handtasche an.
„Ohh, wie schön … boah, iiihhh, oh Gott! Was ist …?“, schrie ich auf, denn plötzlich sprang mir eine circa fünf Zentimeter dicke Kakerlake aus meiner Prada-Tasche entgegen, „Weg, weg!“
Irgendwie hing das Vieh überall an mir. Ich sprang, ich schrie, ich trat. Philipp reagierte superschnell. Er nahm meine Tasche und schlug ohne mit der Wimper zu zucken auf die Kakerlake ein. Nach drei Schlägen machte es „knack". Sie waren beide tot, eine fünf Zentimeter große kubanische Kakerlake und eine 650 Euro teure italienische Tasche.
Noch leicht verstört und nicht verstehend, warum Philipp meine Tasche geopfert hatte, lief ich hinter ihm her zum Bus. Es war für uns zwei die letzte Busfahrt auf Kuba, vom Campingplatz zum Flughafen. Was sich kaum noch zu erwähnen lohnt, ist die Tatsache, dass der Bus natürlich nicht bis zum Flughafen fuhr, sondern drei Kilometer davon entfernt anhielt. Diese „Ausfälle“ kannte ich so langsam schon und war nicht überrascht, als wir uns zu Fuß aufmachten, um zum Terminal zu gelangen. Zu unserem Glück erbarmte sich ein vorbeifahrender Kubaner und nahm uns den letzten Kilometer in seinem 50 Grad heißen Auto mit. Vor Schweiß triefend, was nicht unüblich bei einem Spaziergang mit Rucksack und 40 Grad Hitze oder einer Autofahrt bei 50 Grad ist, kamen wir dann am Flughafen an. Langsam hatte ich doch, gelinde gesagt, die Schnauze etwas voll, mein Rücken war nicht mehr spürbar, ich stank, meine Füße sahen unbeschreiblich aus und meine Lieblingstasche war Hack. Mit Tränen in den Augen stand ich vor dem Check-in-Schalter. ‚Noch so ein Urlaub und ich mach Schluss!', dachte ich trotzig. Philipp schwieg. Er spürte wohl die Spannung in mir.
„Liebling“, sagte er dann und zog mich ganz fest an sich, „der nächste Urlaub wird besser, das verspreche ich dir!“
 

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